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 Parelli Seven Games

 

Reitunterricht beginnt und endet meistens auf dem Pferderücken. Doch ohne das Können am Boden fehlt ein bedeutender Teil des Puzzles. Dies ist der Grund warum so viele Reiter frustriert sind, verletzt werden bzw. mittelmäßige Ergebnisse erzielen.

Diesen Teil des Ausbildungsprogramms nennt Pat Parelli "On Line Logik". Hierzu gehören die 7 Spiele. Sie basieren auf der Logik der Fluchttiere, die wir benutzen, wenn wir unsere auf Freundschaft und Respekt gegründete Rangordnung aufbauen.

 

Die 7 Spiele zeigen jede Schwäche und jedes "Nein, das will ich nicht" Deines Pferdes auf. Wenn Du die Spiele gut genug spielst werden sie diese Schwächen klar beseitigen. Sie sind der Schlüssel zum gelassenen, smarten, mutigen und athletischen Pferd.

Ein wahrer Horseman nimmt sich die Zeit, die es braucht, ein Pferd zu schulen. Während Du Fortschritte machst, Dein Pferd besser zu verstehen, seine Psyche und Beziehungsstrategien begreifst, wirst Du alle Antworten darin finden, an Dir selbst zu arbeiten, damit Du ein Natural Horseman wirst.

Denke daran, dass dies ein Programm zur Weiterentwicklung ist und nicht nur etwas, dass Du gelegentlich tust. Je öfter Du die Spiele spielst werden Dir immer mehr Möglichkeiten einfallen diese anzuwenden. Du wirst immer neugieriger werden wie sie sich auswirken. Je fortgeschrittener Du wirst um so mehr Spaß habt ihr beide.

Pferde sind sehr gut darin diese Spiele mit uns zu spielen. Achte einmal darauf, wie oft sie erreichen, dass wir dem Druck weichen. Dass wir Bögen und Kreise laufen und wir in einer Ecke eingesperrt landen. Pferde spielen diese Spiele schon ihr ganzes Leben lang. Pat Parelli hat diese Spiele als 7 Spiele identifiziert und einen Weg aufgezeigt, wie wir Menschen sie spielen können. Wie wir damit den Respekt des Pferdes in Harmonie erlangen. Du wirst feststellen, dass alles was Du tust, tatsächlich ein Ableitung eines dieser 7 Spiele ist. Sei es am Boden oder auf dem Rücken.

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1. Das "Friendly Game"/Freundschaftsspiel
 

Zuerst geht es darum dem Pferd zu zeigen, dass Du ihm nicht wehtun wirst, obwohl Du es könntest. Statt es nur zu streicheln wird es mit Gegenständen konfrontiert, die ihm Angst machen könnten. Dem Pferd wird hierbei bewiesen, dass ihm nichts passiert. Man reibt es am ganzen Körper mit Strick, oder Gerte, schlingt das Seil um seine Hufe. Hüpft um das Pferd. Wirft den Strick über den Rücken. Streicht z.B. mit Mülltüten darüber. Der Trick ist das alles mit Rhythmus zu tun, bis das Pferd sicher ist, dass es nichts zu befürchten hat und alleine ruhig dasteht..


Das "Friendly Game" ist nichts weiter, als das Pferd mit der Hand oder mit einem Gegenstand überall zu berühren und rhythmisch zu streicheln. Das Pferd soll lernen, dass ihm vom Menschen keine Gefahr droht, man kann dieses "Spiel" zum desensibilisieren zum Beispiel an kitzligen Stellen, belohnen und beruhigen nutzen.

Das Loben erfolgt nicht durch klatschen mit der Handfläche sondern durch streicheln oder reiben mit der Hand.

WICHTIG: Du kannst dem Pferd erlauben, dass es ein paar Schritte macht (sein Kopf sollte Dir zugewandt bleiben bei durchhängendem Strick), der Rhythmus sollte beibehalten werden, denn das gibt dem Pferd die Sicherheit und es weiß welche Bewegung als nächstes kommen wird.

Das Spiel spielst Du immer wieder zwischen den anderen Spielen.

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2.Das "Porcupine Game" /Stachelschweinspiel
 
Dieses Spiel lehrt dem Druck zu weichen. Durch statischen Druck in einer Zone veranlasst man das Pferd zu weichen. Druck auf Zone 2 führt dazu, dass das Pferd den Kopf zur Seite nimmt und mit der Vorderhand ausweicht. Druck auf Zone 4 führt zum Ausweichen der Hinterhand. Man benutzt es dazu, um ein Pferd aus einem Raum in dem man es nicht haben möchte, in einem Raum in dem man es haben möchte, zu drängen. Z.B.: Beim Aufsatteln, zum Hufe geben, um den Pferdekopf in eine bestimmte Position zu bringen.

Die Fingerspitzen (Nägel) bilden das Stachelschwein, man beginnt zunächst weich einen Druck damit auszuüben, der dann bei Nicht-Reaktion langsam aber stetig gesteigert wird, solange bis das Pferd nachgibt. Danach erfolgt sofortiges Reiben der Stelle.

Du kannst Dein Pferd vorwärts, rückwärts, seitwärts nach rechts und links, Vorderteil, Hinterteil, Kopf rauf und runter bewegen mit dem simplen Druck Deiner Fingerspitzen.

Dein Pferd sollte sich an den Druck Deiner Fingerspitzen halten (nicht weit wegrennen) und aufhören, wenn Du vom Druck auf streicheln wechselst.

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3.Das "Driving Game"/ Ausweichspiel

Bei diesem Spiel lernt das Pferd, statt einem physischen Druck wie im "Porcupine Game" einem Signal, einer Anfrage oder einem Vorschlag zu weichen.

Miteinander spielen es Pferde den ganzen Tag. Sie treiben mit einem Blick, der Bewegung ihrer Ohren einem Wirbeln des Schweifes oder dem Anheben eines Hinterbeines.

Das Spiel erfolgt nach dem Porcupine Game, das Pferd muss zuvor lernen physischem Druck zu weichen, bevor es mentalem Druck weichen kann. In dieser Sprache machst Du Vorschläge und Versprechen und versprichst ihm die Konsequenzen. Dass es gegen das schwingende Seil läuft, den erhobenen Stick usw. Du versuchst NICHT Dein Pferd zu schlagen, aber wenn  es sich nicht bewegt gerät gegen diesen Druck. Die Pferdeaufgabe war dem Druck zu entkommen.

Verspreche Deinem Pferd nichts was Du nicht halten kannst. Lüge es nicht an. Wenn Du ihm versprichst der physische Druck würde als nächstes folgen, dann lasse diesen auch folgen. Pferde brauchen einen Anführer der auch hält was er verspricht.

Schau' ob Du Dein Pferd rückwärts schicken kannst indem Du mit Deinen Fingern winkst, als wolltest Du es nass spritzen. Du schickst sozusagen ständig Anfragen. Bewege sein Vorderteil, indem Du auf sein Auge zeigst, bewege sein Hinterteil durch Fingerzeig oder Seilschwingen weg so dass es Dich anschaut. Wenn es Dich anschaut reibe und streichele die Stirn und lasse es wissen das dieses eben richtig gut war. Wiederhole das Spiel, Du wirst auf die Dauer erreichen, das es sich mit dem Kopf zu Dir dreht, wenn Du Zone 4 scharf ansiehst. Dieses Spiel brachte der Horsemanship Truppe den Namen Wedeltruppe ein.

Das Reagieren auf Anfragen ist das eigentliche Geheimnis der Kommunikation mit einem Pferd und die Grundvoraussetzung für weitere Spiele.

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4.Das "Yo-Yo Game"/ Jojospiel

Dieses Spiel besteht aus zwei Bewegungen; Vorwärts und Rückwärts. Das Pferd soll lernen, sich auf einer geraden Linie (gleichmäßig wie ein Yo-Yo) vorwärts und rückwärts zu bewegen.

Wedele mit dem Seil ggf. mit Seil und erhobenem Finger, damit Dein Pferd rückwärts geht. Beginne weich und steigere dann das Wedeln über Finger, Handgelenke, Ellenbogen und Schulter bis das Halfter geschüttelt wird und es sich ziemlich unangenehm anfühlt. Dein Pferd wird versuchen diesem unangenehmen Gefühl zu entkommen und macht einen Schritt rückwärts. Höre daraufhin abrupt mit dem Wedeln auf. Lasse Dein Pferd spüren, dass es richtig war was es gemacht hat. Wiederhole diese Übung so lange bis Dein Pferd so lange rückwärts läuft bis das Seil zu Ende ist. Du bleibst die ganze Zeit auf einem Fleck stehen. Nun lade Dein Pferd ein wieder zu Dir zu kommen. Hole das Seil rhythmisch ein, Hand über Hand, als ob Du das Seil aufwickeln würdest. Wenn Dein Pferd nicht reagiert fasse das Seil fester. Wenn es einen Schritt auf Dich zumacht, mache Deine Hände auf und hole wieder rhythmisch ohne Zug das Seil wie vorher beschrieben ein. Wenn das Pferd bei Dir angekommen ist streichle es und schicke es dann wieder rückwärts und hole es dann wieder vorwärts zu Dir bis die Übung ganz leicht geht. Jetzt spielst Du Jo-Jo mit ihm.

Du kannst das Pferd mit Hilfe von Jo-Jo Game rückwärts durch eine Cavalettigasse schicken, oder durch einen Engpass (Tür, oder Hänger). Du kannst es rückwärts über ein Cavaletti steigen lassen und danach wieder vorwärts usw. Das Rückwärtssenden ist die Vorbereitung für das Anhalten. Wenn das Pferd vorwärts tritt in anderen Übungen, kann man es durch den Impuls zurück zum Stehen veranlassen.

Das Jo-Jo Spiel regelt auch die Rangordnung. Nur ranghöhere Tiere haben im Herdenverband die Position das Pferd aus der Gruppe wegzuschicken.

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5.Das "Circling Game"/ Kreisspiel

Bei diesem Spiel lernt das Pferd, sich auf Zirkeln und Halbzirkeln voller Selbstvertrauen zu bewegen. Es lernt zu verstehen, wann es die Gangart und Richtung wechseln soll und wann es gleichmäßig in der gleichen Gangart weiter laufen soll.

Circling Game ist nicht longieren.

Das Pferd lernt dabei, dass es sein Job ist, die Gangart beizubehalten, bis man ihm etwas anderes sagt.  Beim longieren läuft das Pferd im Kreis endlose Runden, die Peitsche erhält das Tempo. Der Körper wird trainiert während es mit den Gedanken sonst wo zu sein scheint.

Circle Game lehrt das Pferd schwungvoll rauszumarschieren und rundum zu laufen während Du Dich gemütlich in der Mitte auf Deinem Stick abstützt.

Das Geheimnis besteht darin das Pferd völlig in Ruhe zu lassen, solange es das tut was man von ihm will. Jedes mal wenn es die Gangart wechselt, hole es zu Dir rein und schicke es erneut los. Es begreift sehr schnell, das es bequemer für ihn ist auf der Zirkellinie zu bleiben. Ein Minimum von 2 Runden sollte das Pferd laufen und ein Maximum von 4 Runden, dann wird es langweilig und die Richtung sollte geändert werden. Wenn es ohne zu stocken 2 Runden laufen kann beweist es Dir seinen Respekt und folgt seiner Aufgabe. Du bist auf dem Weg, Dein Pferd mental, emotional und physisch fit zu machen. Mache das Seil mal lang, mal kurz, stelle Hindernisse auf und Spielsachen, Du wirst tolle Ergebnisse erzielen. Das Pferd lernt beim Circle Game nur auf Anfrage Richtung und Geschwindigkeit zu wechseln, das Anhalten aus Schritt, Trab und Galopp sowie punktgenaue Übergänge von Gangarten und Richtungen. 

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6.Das "Sideways Game"/ Seitwärtsspiel

Bei diesem Spiel lernt das Pferd, zur Seite zu weichen. Ein Fundament für fast jede Art des Reitens. Je besser Dein Pferd rückwärts und seitwärts geht, desto besser wird es auch andere Dinge tun.

Schicke zuerst seinen Kopf zur Seite, dann das Hinterteil, dann wieder den Kopf....usw. bis es eine gleichmäßige Bewegung wird und das ganze Pferd seitwärts geht. Du kannst einen Zaun oder die Bande zur Hilfe nehmen. Du hast bereits im Driving Game gelernt das Pferd entsprechend weg zu schicken. Es wird nicht lange dauern bis Dein Pferd versteht, was Du von ihm willst. Dein Pferd sollte die Beine beim Seitwärtslaufen überkreuzen, das erfordert eine beachtliche Denkleistung. Sideways Games lehrt das Pferd vermehrt seine linke "denkende Hirnhälfte" einzusetzen. Es ist ideal für unkonzentrierte oder verunsicherte Pferde.

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7.Das "Squeeze Game"/ Engpaß-Spiel

Dieses Spiel ist dafür da um das Pferd an ungewohnte, enge Orte zu gewöhnen. Z.B.: Bäche, Pferdeanhänger, Waschplätze, Pferdeboxen.

Pferde haben von Natur aus Platzangst, sie hassen enge oder geschlossene Räume. Das Squeeze Game hilft Pferden in dieser Hinsicht gelassener und mutiger zu werden.

Stelle Dich nahe einer Wand auf ca. 4m Abstand. Fordere Dein Pferd auf, durch den Zwischenraum zwischen Dir und der Wand zu gehen. Für manche Pferde mag dies schon sehr eng sein, dann erweitere den Abstand zur Wand auf 6m. Reduziere den Zwischenraum Schrittchenweise, während das Pferd immer mehr Vertrauen zu dieser Arbeit fasst. Bei 90cm Weite beendet ihr das Spiel, es entspricht in etwa der Breite des Pferdeanhängers.

Achte darauf das es am Ende des Engpasses immer angenehm für Dein Pferd ist und dass Du das Seil lang genug lässt, damit es laufen kann. Wende dann Dein Pferd und lasse es von der anderen Richtung durch den Engpass laufen. Du entscheidest ob es im Schritt, Trab oder Galopp durchläuft. Wenn diese Übung sicher sitzt wird es kein Problem sein das Pferd in den Hänger zu schicken, anstatt vorherzugehen.

Beobachtet man eine Herde an denen z.B. ein Ackerschlepper vorbeifährt und das dazugehörige Leittier, wird man feststellen wenn das Leittier die Situation kennt und als ungefährlich einstuft bleibt die Herde stehen. Stuft das Leittier die Situation als gefährlich ein, wird die ganze Herde fliehen. Ein Pferd kann von Natur aus eine Situation nur überleben, wenn es diese als ungefährlich erkennt oder flieht bzw. sich auf das Wissen des Leittieres verlässt und dessen Reaktion folgt. Beispiel: Sobald ein Pferd weiß das ein Löwe gefährlich ist, hat es keine Chance mehr. Es kann dieses Wissen nicht mehr weitergeben, weil es gefressen wird. Die Situation muss vorher als gefährlich eingestuft werden bevor es die Erfahrungen sammeln muss.

Das Leittier ist hier der Mensch und das Pferd muss lernen, den Reaktionen des Menschen zu vertrauen und eine Situation als ungefährlich einzustufen und den Wünschen des Menschen (Leittier) zu folgen. Das heißt es muss die Erfahrungen gemacht haben, dass die Entscheidungen des Leittiers richtig sind und ein Leittier niemals einen Herdenmitglied in Gefahr bringen würde.

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